Tipps & Hinweise
... für eine gelungene Kanutour ...
In aller Kürze: Es gibt kein schlechtes Wetter. Es gibt nur schlechte Vorbereitung.
Für uns als Paddler ist Wind der einzige echte Gegner. Alles andere ist eine Frage der Vorbereitung.
Dankenswerterweise befindet sich unsere Seenplatte in einem Gebiet, das spontane Wetterumschwünge praktisch gar nicht kennt. Was wir an Wetter bekommen, kann man meist schon Wochen vorher voraussehen. Und wir sind in der Natur. Das bedeutet: Da regnet es auch ab und zu. Dafür hat uns die heilige Marktwirtschaft tolle Wunder gegeben: Regenjacken, zum Beispiel. Und wasserdichte Packsäcke.
Zum Glück kann man das Wetter heute noch nicht ändern. Aber wir können uns heute bestens an das Wetter anpassen und auf jede mögliche Situation vorbereiten. Dabei ist das super-einfach:
Das Wetter mag in der Stadt nur ein Small-Talk-Thema sein: Wir, die wir in der Natur leben, informieren uns permanent über mögliche Veränderungen. Scheue dich nicht, andere Wassersportler, die Campingplatz-Betreiber oder Dauergäste auf den Campingplätzen nach dem Wetter und möglichen Problemen auf deiner Tagesetappe zu fragen! Vorbereitung ist die halbe Miete.
Regen ist kein Grund, eine Tour nicht zu machen oder abzubrechen. Ziehe deine Regenjacke an! Regen ist Teil der Natur. Sie braucht ihn. Und uns hindert er höchstens, wenn er so stark ist, dass man das Ufer nicht mehr sehen kann.
Bei Regen verändert sich die ganze Natur! Die Wellen werden glatter und flacher. Die Vögel singen andere Lieder. Das monotone Rauschen des Regens verändert unsere Wahrnehmung. Achte mal darauf, wie die Natur am Ende eines Regenschauers wieder erwacht und rege wird! Das ist wirklich faszinierend.
Packe deine wichtigsten Sachen (Schlafsack, Wechselklamotten) in wasserdichte Packsäcke. Die bekommst du auch bei uns, wenn du keine eigenen hast. Alles andere kann man beim nächsten Sonnenstrahl auf die Leine hängen und von der Sonne trocknen lassen.
Überraschender Starkregen? Paddle auf der Seite des Sees, wo der Wind hinweht, an einen Badestrand. Achte darauf, dass ihr weit genug von Bäumen entfernt seid. Ziehe das Boot an Land und packe alle Sachen aus. Drehe das Boot um und hockt oder legt euch darunter. Baut euch mit den Packsäcken einen Schutz gegen den Wind. Und erzählt euch gruselige Geschichten, bis der Regen vorbei ist.
Zunächst mal ist Gewitter nichts Schlimmes. Es gibt keine bekannte Situation, in der ein Kanufahrer in irgendeiner Weise vom Blitz beeinflusst oder gar getroffen wurde. Unsere Seen und Kanäle liegen entstehungsbedingt meist in kleinen und relativ schmalen Tälern, die zudem von viel Wald umgeben sind. Der Blitz hat gar keine Lust, dich auf den schier endlos vielen Seen zu suchen, um dich auf dem Wasser zu erwischen.
Gefährlich ist hingegen die falsche Schutzsuche! Wenn du bei aufziehendem Gewitter auf der falschen Seeseite Schutz suchst, ist es viel wahrscheinlicher, dass ein abbrechender Ast oder ein umkippender Baum dich und die Deinen verletzen kann. Die falsche Seite ist immer die Seite, wo der Wind herkommt!
Sucht unterwegs NIEMALS Schutz an Land! Die Sturmböen, die so ein Gewitter meist begleiten, können Äste von Bäumen brechen und Bäume umstürzen lassen. Es gibt auf unserer Seenplatte keinen einzigen bekannten Fall, dass ein Paddler vom Blitz getroffen wurde. Von umstürzenden Bäumen und herabfallenden Ästen wurde aber schon so mancher schwer verletzt.
Im Regelfall weißt du bereits morgens, ob es heute Gewitter geben wird. Falls du dich nicht informiert hast, frage Dauerbewohner auf dem Campingplatz oder andere Paddler nach dem heutigen Wetter! Sollte es heute gewittern, plane es in deine Tourenplanung ein! Paddle eben heute kürzer oder gar nicht. Dann wird es eben ein anderer Campingplatz als der, den du ursprünglich vielleicht mal geplant hattest. Oder fahre früher los, um vor dem Gewitter anzukommen.
Wenn dich ein Gewitter auf dem Wasser überrascht, sind eher die Sturmböen, die so ein Gewitter meist begleiten, das, was dir Sorgen machen sollte. Suche dann Schutz auf der Seite des Sees, wo der Wind hinweht! Lasst euch einfach ins Schilf treiben, packt das Tarp oder die Campingdecke aus, legt sie über euch und wartet das Wetter einfach ab. (So gemeinsam unter einem Tarp zu hocken, ist übrigens eine coole Gelegenheit, sich gegenseitig Gruselgeschichten zu erzählen oder Werwolf zu spielen.)
Gewitter ziehen meist sehr schnell weiter. Habe Geduld und warte es einfach ab. Selten musst du mehr als eine halbe bis ganze Stunde abwarten, bevor das Gewitter weitergezogen ist.
Unsere Boote schwimmen auch dann noch, wenn sie komplett mit Wasser gefüllt sind. Sie gehen niemals unter; es sei denn, du bist Geologe und hast das Boot voll Steine geladen. Und selbst dann drehen sie sich unter Wasser und tauchen bald wieder auf.
Dein Boot ist also IMMER dein Rettungsanker! Verlasse es nicht! Selbst bei extremem Starkregen wird das Boot niemals untergehen. Es läuft mit Wasser voll und alles darin wird nass, aber das war's dann auch schon.
Wind ist der Endgegner der Paddler. Daher versuchen wir immer, ihn zu berücksichtigen. Rückenwind ist cool, denn er bläst uns auch ohne unser Zutun in die richtige Richtung. Gegenwind hingegen kann sogar verhindern, dass wir überhaupt lospaddeln können. Und starker Seitenwind sorgt dafür, dass unser Boot ordentlich schaukelt, Wasser ins Boot schwappen und es sogar umkippen kann .
Bei Gegenwind hast du nur drei Optionen:
Wind von der Seite ist der unangenehmste Wind! Je mehr Anlauf der Wind auf dem Wasser nehmen kann, desto höher sind die Wellen, die dann seitlich gegen unser Boot schlagen. Das kann unser Boot ordentlich zum Schaukeln bringen und sehr beunruhigend wirken. Ändere deine Tagesetappe so ab, dass du Wind direkt von der Seite möglichst vermeidest. Paddle dann lieber ein Stück schräg gegen den Wind an und lasse dich wieder schräg zurück in Richtung deines Ziels treiben; auch, wenn das einen Umweg bedeuten könnte. Es spart Kräfte und Nerven!
Paddle auf der dem Wind zugewandten Seite des Sees oder Kanals! Der Wind weht über die Bäume am Ufer hinweg auf den See hinaus. In Ufernähe - meist sind das so ca. 50 bis 100 Meter - gelangt er jedoch gar nicht oder kaum hin. So kannst du selbst bei relativ starkem Wind in fast völliger Windstille paddeln.
Wo Schilf steht, ist der Grund des Wassers meist trittfest und das Wasser ziemlich flach. Dort kannst du fast immer im Wasser stehen. Paddle das Boot ins Schilf und steige aus. So kannst du das Boot leicht stabilisieren und das Schaukeln durch die Wellen noch mehr mindern. Bleibe neben dem Boot stehen und beruhige die Ängstlichen im Boot. Breite eine Decke über deine Mannschaft aus und steige ggf. wieder ein.
Schweres Wetter zieht meist sehr schnell weiter. In unserer Gegend dauert es selten mehr als 30 - 60 Minuten, bis das Schlimmste überstanden ist. Habt Geduld und wartet es einfach ab.
Denke daran: Auch, wenn die Seite des Sees oder Kanals, wo der Wind herkommt, sehr viel weniger Wind hat: Es ist die weitaus gefährlichere Seite, wenn man Schutz sucht! Lasst euch mit dem Wind in das Schilf treiben. Bleibt aber trotzdem an der see-seitigen äußeren Kante der Schilfzone. So seid ihr sicherer vor herabfallenden Ästen und umfallenden Bäumen am Ufer; denn die werden mit dem Wind gebrochen.